1:10 verdünnen: Wasser zugeben oder auf die Gesamtmenge auffüllen?
Ein Teil Konzentrat plus zehn Teile Wasser ergibt elf Teile Mischung. Einen Teil auf zehn Teile Gesamtvolumen aufzufüllen ist eine andere Verdünnung. Mit ausgeschriebenen Bezugsgrößen, passenden Einheiten und einem offenen Rechenweg vermeidest du die Verwechslung.
Belegstufe: Herleitung. Aus Formeln und Naturgesetzen berechnet, der Rechenweg steht im Text. So arbeiten wir
Du hast 100 Milliliter Konzentrat abgemessen. Kommt jetzt ein Liter Wasser dazu, oder füllst du die Mischung auf einen Liter auf? Beides klingt schnell nach „1:10“. Rechnerisch sind es unterschiedliche Ansätze. Bevor du den Messbecher nimmst, muss deshalb klar sein, welche beiden Mengen die Verhältnisangabe miteinander vergleicht.
Die folgenden Beispiele sind Rechenannahmen, keine Dosierempfehlungen für ein bestimmtes Produkt. Wir rechnen mit Volumenteilen. Wo wir einzeln abgemessene Flüssigkeitsmengen addieren, nehmen wir zunächst an, dass sich ihr Gesamtvolumen beim Mischen nicht verändert. Warum diese Annahme wichtig ist, kommt weiter unten.
Ein Teil plus zehn Teile ergibt elf Teile
Steht die Anweisung ausdrücklich für einen Teil Konzentrat plus zehn Teile Wasser, ist die Rechnung eindeutig. Nimmst du 100 ml als einen Teil, brauchst du zehnmal 100 ml Wasser:
100 ml Konzentrat + 1.000 ml Wasser = 1.100 ml Mischung.
Der Konzentratanteil an der fertigen Menge beträgt unter unserer Annahme 100 ÷ 1.100 × 100 = rund 9,09 Prozent. Es sind keine zehn Prozent, weil die hinzugefügten 100 ml im Nenner mitgezählt werden müssen. Das ist reine Mengenrechnung; sie sagt noch nichts über die Konzentration eines einzelnen Inhaltsstoffs im Produkt.
Willst du bei diesem Verhältnis insgesamt 1.000 ml ansetzen, verteilst du diese Zielmenge auf elf Teile. Ein Teil entspricht 1.000 ÷ 11 = rund 90,91 ml. Daraus ergeben sich rechnerisch 90,91 ml Konzentrat und 909,09 ml Wasser. Die Nachkommastellen erklären den Rechenweg. Sie bedeuten nicht, dass ein üblicher Messbecher auf Hundertstel Milliliter genau abgelesen werden kann.
Auf zehn Teile Endvolumen auffüllen ist etwas anderes
Eine Anweisung kann stattdessen ausdrücklich verlangen, einen Teil Konzentrat auf zehn Teile Gesamtvolumen zu verdünnen. Dann sind bei 100 ml Konzentrat 1.000 ml fertige Lösung das Ziel. Unter der Annahme addierbarer Volumina kommen 900 ml Wasser hinzu. Rechnerisch entfallen jetzt 100 ÷ 1.000 × 100 = 10 Prozent der fertigen Menge auf das abgemessene Konzentrat.
Für eine solche Verdünnung hilft der Verdünnungsfaktor: Endvolumen geteilt durch eingesetztes Ausgangsvolumen. Hier ergibt 1.000 ÷ 100 den Faktor 10. Wenn die Menge eines betrachteten gelösten Stoffes erhalten bleibt, sinkt seine Konzentration pro Volumen auf ein Zehntel. Die zugrunde liegende Stoffmengenbilanz beschreibt das Chemielehrbuch OpenStax mit der Beziehung c₁ × V₁ = c₂ × V₂. Dabei steht c für die Stoffmengenkonzentration und V für das Lösungsvolumen; 1 bezeichnet den Ausgangszustand, 2 den verdünnten Zustand. Auf beiden Seiten müssen dieselben Einheiten verwendet werden. [1]
Diese Bilanz erklärt auch den Unterschied zum ersten Ansatz: Dort wächst das Volumen von 100 auf 1.100 ml, also um den Faktor 11. Beide Rechnungen sind korrekt. Welche davon zu deiner Anwendung gehört, entscheidet die ausgeschriebene Dosieranweisung. Eine nackte Angabe „1:10“ ohne Bezugsgrößen ist für diese Entscheidung nicht ausreichend.
Eine Prozentzahl braucht ebenfalls einen Bezug
Angenommen, eine Anleitung definiert zwei Prozent ausdrücklich als 20 ml Produkt je 1.000 ml fertiger Gebrauchslösung. Für fünf Liter fertige Lösung ergibt sich dann 20 ml × 5 = 100 ml Produkt. Mit unserer Additionsannahme bleiben 5.000 − 100 = 4.900 ml Wasser. Gibst du die 100 ml stattdessen zu fünf Litern Wasser, entstehen rechnerisch 5.100 ml; der Anteil beträgt nur 100 ÷ 5.100 × 100 = rund 1,96 Prozent.
Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg zeigt in seinem Hygieneleitfaden genau diese Unterscheidung zwischen Wasser und fertiger Gebrauchslösung: Die Konzentratmenge wird von der vorgesehenen Gesamtmenge abgezogen. Wir verwenden daraus ausschließlich das Rechenprinzip, keine Empfehlung zur Auswahl oder Dosierung eines Desinfektionsmittels. [2]
Steht die Vorgabe dagegen in Gramm je Kilogramm, musst du mit Massen rechnen. „20 g Produkt in 1.000 g fertiger Mischung“ bedeutet 20 g Produkt plus 980 g Wasser. Das ist nicht dieselbe Messanweisung wie 20 ml. Beim Abschreiben einer Rezeptur gehören deshalb die Einheit und der Bezug genauso dazu wie die Zahl.
Warum „auffüllen“ genauer ist als bloß addieren
Flüssigkeitsvolumina sind nicht grundsätzlich addierbar. Lehrmaterial der Universität Kiel zeigt am Gemisch aus Wasser und Ethanol, dass das Mischungsvolumen von den Wechselwirkungen zwischen den Molekülen abhängt. Es kann kleiner sein als die Summe der getrennt gemessenen Volumina. [3] Daraus folgt keine bekannte Volumenänderung für ein beliebiges Reinigerkonzentrat. Dafür bräuchte man Angaben oder Messungen zu genau diesem Gemisch.
Wenn eine Arbeitsanweisung ein genaues Endvolumen verlangt, ist daher das tatsächlich erreichte Gesamtvolumen maßgeblich. Unsere Plus-Rechnungen erklären die Mengenverhältnisse unter der genannten Annahme; sie ersetzen keine präzise Herstellungsvorschrift. Für die gewöhnliche Produktanwendung hältst du dich an die vorgegebene Dosiermethode, statt ungefragt zwischen Gramm, Millilitern und Volumenprozenten zu wechseln.
Beim Ansetzen von Reinigungslösungen nennt die DGUV kaltes Wasser, das Zugeben des Mittels zum Wasser und Dosierhilfen zur Vermeidung von Überdosierung. Mische verschiedene Reinigungsmittel nicht miteinander und verwende keine Getränkebehälter zur Aufbewahrung. Beachte auch die Schutzmaßnahmen aus Kennzeichnung und Sicherheitsdatenblatt. [4]
Schreibe dir vor dem Ansetzen einen vollständigen Satz auf: „Ich brauche diese Menge fertige Lösung; die Anleitung verlangt diese Menge Produkt pro dieser Bezugsmenge.“ Fehlt eine der beiden Angaben, kläre sie anhand der Anwendungshinweise oder beim Anbieter. Sobald der Satz eindeutig ist, wird aus dem Rätsel „1:10“ eine überprüfbare Rechnung.
Quellen
- OpenStax, Rice University: Chemistry 2e, 3.3 Molarity, Abschnitt „Dilution of Solutions“, 2019. Lehrbuch und Verdünnungsgleichung.
- Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg: Hygieneleitfaden für die Kindertagesbetreuung, 2. Auflage, September 2019, Abschnitt 2.4.3, Tabelle 7, S. 25. Behördlicher Leitfaden als PDF.
- J. Carstensen, Universität Kiel: Extensive properties of mixtures: Volume of mixtures and partial molar volume, Abschnitt 5.5, ohne Datumsangabe. Lehrmaterial zu Mischungsvolumina.
- DGUV: Regel 101-605, Branche Gebäudereinigung, Februar 2020, Abschnitt 3.2, S. 19. Regel bei der BG BAU als PDF.
Stand der Recherche: 21.10.2026. Das angezeigte Beitragsdatum ist ein redaktionelles Archivdatum. Dieser Text wurde im Oktober 2026 erstellt und veröffentlicht.
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