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SLES als Rohstoff: Was du vor einem Austausch prüfen solltest

RohstoffeStudie / NormAktualisiert 23.10.20265 Min. Lesezeit
Kurz gesagt

Bei SLES reichen ein gleicher Name und dieselbe Einwaage für einen Rohstoffwechsel nicht aus. Entscheidend sind Aktivgehalt, genaue Zusammensetzung und Verwendungszweck. Eine Beispielrechnung zeigt, wie stark sich die eingebrachte Tensidmenge ändern kann.

Belegstufe: Studie / Norm. Belegt durch veröffentlichte Studien, Normen oder Behördenangaben. So arbeiten wir

Offenlegung: Reinzeug verkauft SLES 70 % in technischer Qualität. Die verlinkte Produktseite dient hier nur zur Einordnung unseres Angebots, nicht als unabhängiger Beleg.

In deiner Rezeptur steht „SLES“, im Angebot eines Lieferanten ebenfalls. Reicht das für einen Austausch? Noch nicht. Hinter der Abkürzung können Rohstoffe mit unterschiedlichem Aktivgehalt und unterschiedlicher molekularer Zusammensetzung stehen. Bevor du dieselbe Menge einwiegst, brauchst du mehr als einen passenden Namen. Gerade bei einem Wechsel von verdünnter Ware zu einem Konzentrat kann die unveränderte Einwaage die Rezeptur deutlich verschieben.

SLES und SLS: Ein Buchstabe mit chemischer Bedeutung

SLES steht für Sodium Laureth Sulfate, auf Deutsch Natriumlaurylethersulfat. Es gehört zu den anionischen Tensiden: waschaktiven Stoffen mit einer negativ geladenen, wasserliebenden Gruppe. COSMILE Europe, die Inhaltsstoffdatenbank des Kosmetik-Fachverbands Cosmetics Europe, beschreibt seine reinigende, schaumbildende und emulgierende Funktion. Emulgieren heißt hier, die feine Verteilung von Öl und Wasser zu ermöglichen. [1]

SLS bezeichnet dagegen Sodium Lauryl Sulfate. Beim SLES sitzen zusätzliche Oxyethylen-Bausteine in der Molekülstruktur. Auch ihre Anzahl ist nicht bei jeder Handelsware gleich. Eine analytische Studie von Pawlak und Wojciechowski untersuchte SLS- und SLES-Verbindungen mit unterschiedlichen Kohlenstoffketten und unterschiedlicher Zahl dieser Bausteine. Sie trennte und identifizierte die Bestandteile mithilfe von Flüssigchromatographie und Massenspektrometrie, also einer Stofftrennung mit anschließender Analyse der Ionen. [2]

Für die Rohstoffauswahl ist „SLES“ die erste Stoffzuordnung. Für den Austausch brauchst du die genaue Qualität. Eine Angabe wie ein mittlerer Ethoxylierungsgrad beschreibt die mittlere Anzahl der Oxyethylen-Bausteine pro Molekül, keine Garantie, dass jedes einzelne Molekül identisch aufgebaut ist. Aus der Ähnlichkeit der Namen folgt ebenso wenig, dass SLS und SLES in einer bestehenden Rezeptur ohne Prüfung gegeneinander ausgetauscht werden können. [2, 3]

Wie viel waschaktive Substanz kaufst du mit?

Der Aktivgehalt beschreibt den Anteil der aktiven Tensidsubstanz im gelieferten Rohstoff. Er ist von der gesamten Einwaage zu unterscheiden. [3]

Unsere eigene Produktseite beschreibt SLES 70 % als viskose Paste beziehungsweise Gel mit etwa 70 % Aktivgehalt und technischer Qualität. Diese Angaben gelten für das dort beschriebene Angebot. Sie sind keine Zusage über andere SLES-Rohstoffe. Für die gelieferte Ware verweist die Seite auf Kennzeichnung, aktuelle Spezifikation und Sicherheitsdatenblatt. [5]

Rechenbeispiel mit Annahmen: Eine gedachte Rezeptur enthält 10,0 kg eines Rohstoffs mit genau 28,0 % SLES als Massenanteil. Darin stecken 10,0 kg × 0,280 = 2,80 kg aktive Tensidsubstanz. Um dieselbe Aktivmasse mit einem angenommenen 70,0-%-Rohstoff einzubringen, brauchst du 2,80 kg ÷ 0,700 = 4,00 kg Rohstoff. Einfach wieder 10,0 kg einzusetzen würde 7,00 kg Aktivsubstanz eintragen, also das 2,5-Fache.

Damit ist nur die Aktivmasse abgeglichen. Für eine vollständige Austauschrechnung musst du auch die übrigen Bestandteile berücksichtigen. Unter der zusätzlichen Modellannahme, dass beide Rohstoffe ausschließlich aus SLES und Wasser bestehen, fehlen beim Wechsel 6,00 kg Wasser: Die alte Ware bringt 7,20 kg Wasser mit, die neue 1,20 kg. Reale Spezifikationen können weitere Bestandteile enthalten. Die Beispielrechnung ist deshalb weder eine fertige Formulierung noch eine Dosieranweisung.

Was eine Konzentrationsmessung tatsächlich leisten muss

Eine Mengenangabe wird erst dann belastbar, wenn klar ist, was gemessen wurde. Ziółkowska und ihr Team bestimmten SLES mit einer Kolloidtitration. Dabei wird schrittweise ein entgegengesetzt geladenes Polymer zugegeben. Die entstehenden Aggregate verändern die Lichtreflexion; dieses Signal dient zur Ermittlung des Endpunkts. Der Detektor sitzt außerhalb des Gefäßes, damit anhaftende Flocken seine Oberfläche nicht stören. [3]

Die Studie zeigt zugleich eine Grenze: Die eingesetzte Probenmasse beeinflusste die Ergebnisse. Eine passende Methode und geeignete Messbedingungen gehören also zur Konzentrationsangabe. Eine Titration beantwortet außerdem eine andere Frage als die chromatographische Auftrennung einzelner SLES-Bestandteile. Ein ermittelter Gesamtgehalt ersetzt keine genaue Beschreibung der Zusammensetzung. [2, 3]

Für deinen Einkauf empfehlen wir deshalb, beim Vergleich zweier Angebote zuerst auf dieselbe Bezugsgröße zu achten: Aktivgehalt nach welcher Methode, in welcher Einheit und mit welcher Spezifikation? Trockenmasse und Aktivgehalt sind unterschiedliche Angaben; auch die SLES-Studie führt sie getrennt auf. [3]

Vor dem Wechsel in die laufende Rezeptur

Lege die Unterlagen des bisherigen und des vorgesehenen Rohstoffs nebeneinander. Markiere Stoffbezeichnung, Aktivgehalt, Angaben zur Ethoxylierung und vorgesehene Verwendung. Fehlt ein entscheidender Wert, sollte der Lieferant ihn klären, bevor du eine Ersatzmenge festlegst. Das ist unsere Empfehlung für einen nachvollziehbaren Rohstoffvergleich.

Auch die Qualität muss zum Zweck passen. Dass SLES als Inhaltsstoff in Shampoos vorkommt, macht eine als technisch ausgewiesene Handelsware nicht automatisch zu einem für deine kosmetische Formulierung freigegebenen Rohstoff. COSMILE beschreibt die Stofffunktion; die Reinzeug-Produktseite beschreibt eine konkrete technische Ware. Diese beiden Ebenen solltest du auseinanderhalten. [1, 5]

Für die Handhabung brauchst du die Schutzmaßnahmen der tatsächlich gelieferten Ware. Abschnitt 8 des Sicherheitsdatenblatts enthält Angaben zur Expositionsbegrenzung und persönlichen Schutzausrüstung; die BG BAU erläutert diesen Abschnitt ausdrücklich für die jeweilige Tätigkeit mit dem Produkt. [4] Unser Angebot verlangt das Vermeiden von Augen- und Hautkontakt sowie Schutzbrille und Handschuhe. [5]

Erst wenn Identität, Aktivmasse und Verwendungszweck passen, ist ein kleiner dokumentierter Vergleichsansatz sinnvoll. Prüfe daran die Anforderungen deiner bestehenden Rezeptur. Ein rechnerisch gleicher SLES-Gehalt ist ein guter Ausgangspunkt für diesen Vergleich, aber noch keine Freigabe für die Produktion.

Quellen

  1. Cosmetics Europe: COSMILE Europe, „Sodium Laureth Sulfate“, deutschsprachige Fachverbandsdatenbank. cosmileeurope.eu
  2. K. Pawlak, K. Wojciechowski: „Precursor ion approach for simultaneous determination of nonethoxylated and ethoxylated alkylsulfate surfactants“, Journal of Chromatography A 1653 (2021), 462421. DOI: 10.1016/j.chroma.2021.462421. Originalabstract gelesen. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  3. D. Ziółkowska et al.: „Determination of SLES in Personal Care Products by Colloid Titration with Light Reflection Measurements“, Molecules 26 (2021), 2716, insbesondere Tabelle 1 und Schlussfolgerungen. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  4. BG BAU: Erläuterungen zum Sicherheitsdatenblatt, Abschnitt 8 „Begrenzung und Überwachung der Exposition/Persönliche Schutzausrüstungen“. bgbau.de
  5. Reinzeug: Produktseite SLES 70 % in technischer Qualität. Eigene Anbieterangabe, ausschließlich für die konkret genannten Produktdaten verwendet. reinzeug.de

Stand der Recherche: 23.10.2026. Das angezeigte Beitragsdatum ist ein redaktionelles Archivdatum. Dieser Text wurde im Oktober 2026 erstellt und veröffentlicht.

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