Labor und Messmethoden

Leitfähigkeit messen: Warum TDS keine zweite Analyse ist

Labor und MessmethodenStudie / NormAktualisiert 27.10.20265 Min. Lesezeit
Kurz gesagt

Leitfähigkeit erfasst den gemeinsamen Beitrag gelöster Ionen. Eine TDS-Anzeige rechnet diesen Messwert mit einem Faktor um. Gleiche Zahlen beweisen deshalb weder die gleiche Zusammensetzung noch die Abwesenheit aller Rückstände.

Belegstufe: Studie / Norm. Belegt durch veröffentlichte Studien, Normen oder Behördenangaben. So arbeiten wir

Auf dem Messgerät stehen 200 µS/cm. Nach einem Tastendruck werden daraus 100 mg/l. Hat das Gerät gerade noch eine zweite Analyse gemacht? Bei einem Leitfähigkeitsgerät mit berechneter TDS-Anzeige steckt dahinter eine Umrechnung. Wer Wasser für einen Ansatz oder einen Spülprozess prüft, sollte diesen Unterschied kennen: Die beiden Zahlen können aus derselben Messung stammen.

Welche Teilchen die Messung erfasst

In Wasser übernehmen gelöste Ionen den Ladungstransport. Ionen sind elektrisch geladene Teilchen. Die elektrische Leitfähigkeit beschreibt, wie gut die Probe Strom leitet. Das niedersächsische Umweltministerium bezeichnet sie als Summenparameter: Ein einzelner Messwert verrät nicht, welche Stoffe vorhanden sind. Er kann jedoch Veränderungen der Wasserzusammensetzung anzeigen. [1]

Die Einheit µS/cm bedeutet Mikrosiemens pro Zentimeter. Für vergleichbare Werte gehört die Temperatur dazu, denn sie beeinflusst die Leitfähigkeit. Das Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt nennt 25 °C als Bezugstemperatur seiner Messungen. Auch die Konzentration und die Eigenschaften der gelösten Salze wirken sich auf den Wert aus. [2]

Daraus folgt eine wichtige Grenze: Zwei Proben mit gleichem Messwert müssen nicht dieselbe Zusammensetzung haben. Du kannst aus der Zahl allein weder eine bestimmte Salzart identifizieren noch die vollständige Zusammensetzung einer unbekannten Flüssigkeit berechnen. Für eine solche Frage brauchst du eine dazu passende chemische Analyse. Die Leitfähigkeit liefert zunächst einen Vergleichswert, keine Zutatenliste.

Warum TDS auf die Einstellung ankommt

TDS steht für „Total Dissolved Solids“, den Gesamtgehalt gelöster Feststoffe. Ein Leitfähigkeitsgerät bestimmt diesen Gehalt nicht durch Trocknen und Wiegen der Probe. Es berechnet einen Näherungswert mit einem Umrechnungsfaktor. Der Messtechnikhersteller Mettler Toledo erläutert, dass unterschiedliche Salze unterschiedliche Faktoren erfordern und nichtionische gelöste Stoffe die Aussage zusätzlich begrenzen. [3]

Der Leitfaden veranschaulicht das an Zucker: Er kann den tatsächlichen Gehalt gelöster Stoffe erhöhen, ohne eine entsprechende Leitfähigkeitserhöhung zu erzeugen. [3] Eine TU-Darmstadt-Demonstration untersucht dazu destilliertes Wasser nach Zugabe von Traubenzucker und anschließend Kochsalz. [6] Die Unterscheidung ist für die Fragestellung entscheidend: Gelöst zu sein und elektrische Ladung zu transportieren sind verschiedene Eigenschaften.

Rechenbeispiel, ausdrücklich angenommene Werte: Die auf 25 °C bezogene Leitfähigkeit sei 200 µS/cm. Für die Umrechnung in mg/l sei am ersten Gerät ein Zahlenfaktor von 0,50 eingestellt. Dann ergibt sich 200 × 0,50 = 100 mg/l. Bei einem Faktor von 0,70 ergibt dieselbe Leitfähigkeit 200 × 0,70 = 140 mg/l. Der Faktor gilt hier ausdrücklich für diese Kombination aus Eingangs- und Ausgangseinheit. Das Rechenprinzip beschreibt die Geräteanleitung. [4]

Die Differenz beträgt 140 − 100 = 40 mg/l. Sie entsteht in diesem Beispiel ausschließlich durch die Einstellung; dem Wasser wurde nichts zugesetzt. Die beiden Faktoren sind Annahmen und keine Empfehlung für deine Probe. Prüfe bei abweichenden Anzeigen deshalb zuerst Messmodus, Einheit und Faktor, bevor du über eine veränderte Wasserqualität urteilst.

Ein offener Becher verändert die Probe

Bei sehr salzarmem Wasser kann schon Luftkontakt die Messung beeinflussen. RheinEnergie weist bei seinem vollentsalzten Wasser ausdrücklich darauf hin, dass Kohlendioxid aus der Luft beim Abfüllen die Leitfähigkeit erhöht. Die veröffentlichten Qualitätsangaben beziehen sich dort auf die Entnahmestelle. [5] Das ist eine technische Anbieterinformation mit einem klar begrenzten Geltungsbereich, keine allgemeine Spezifikation für jedes VE-Wasser.

Wenn du einen Wert direkt an der Anlage mit einer später im offenen Gefäß gemessenen Probe vergleichst, vergleichst du möglicherweise auch unterschiedliche Probenzustände. Notiere Entnahmeort, Zeitpunkt und Handhabung. Eine Abweichung ist ein Anlass zur Prüfung; sie beweist noch keinen Defekt der Aufbereitung. [5]

Für die Fehlersuche empfiehlt sich deshalb ein gleichbleibender Ablauf. Entnimm die Proben an derselben Stelle und miss unter vergleichbaren Bedingungen. Wird der Unterschied dadurch kleiner, weißt du zunächst nur, dass der Ablauf einen Einfluss hatte. Welche Stoffe den verbleibenden Unterschied verursachen, ergibt sich daraus noch nicht.

Was in ein brauchbares Messprotokoll gehört

Wähle Sensor und Messbereich passend zur Probe. Prüfe das Messsystem mit einem geeigneten Leitfähigkeitsstandard nach Geräteanleitung. Gefäß und Sensor müssen sauber sein; Luftblasen im aktiven Messbereich sind zu vermeiden. Der Mettler-Toledo-Leitfaden beschreibt diese Punkte als mögliche Fehlerquellen und verlangt bei der Prüfung stabile Messwerte. [3]

Dokumentiere mindestens Probenbezeichnung, Entnahme, Messgerät, Einheit, Temperatur und den verwendeten Messmodus. Bei einer TDS-Anzeige kommt der Faktor hinzu. Bei temperaturkompensierten Werten hältst du auch die Bezugstemperatur und das Korrekturverfahren fest. Temperaturkompensation bedeutet, dass das Gerät den gemessenen Wert rechnerisch auf eine Referenztemperatur bezieht. Die Geräteanleitung unterscheidet dafür mehrere Verfahren. [4]

Ein Foto des Displays kann diese Angaben ergänzen. Es ersetzt sie nicht, wenn die Einstellungen darauf fehlen. Für wiederkehrende Kontrollen ist ein kurzer, stets gleich ausgefüllter Datensatz nützlicher als eine Reihe unbeschrifteter Zahlen. Lege außerdem vor der Messung fest, welche Abweichung für deinen Prozess eine Prüfung auslösen soll; aus diesem Artikel ergibt sich kein allgemeiner Freigabewert.

Für wiederkehrende Wasserkontrollen ist die Leitfähigkeit vor allem dann hilfreich, wenn du Veränderungen unter kontrollierten Bedingungen verfolgst. Das entspricht der Stärke des Summenparameters, wie ihn die Umweltbehörde beschreibt. [1] Wenn die Frage dagegen lautet, welcher Rückstand noch im Spülwasser steckt, muss die Untersuchung diesen Rückstand erfassen können. Bevor du aus „niedrig“ ein „sauber genug“ machst, benenne also erst, was für deinen nächsten Arbeitsschritt nachgewiesen sein muss.

Quellen

  1. Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz: Leitfähigkeit, Grundwasserbericht Niedersachsen; verwendet werden die Erläuterungen zum Summenparameter, keine historischen Trinkwassergrenzwerte. umwelt.niedersachsen.de
  2. Freie und Hansestadt Hamburg, Institut für Hygiene und Umwelt: Elektrische Leitfähigkeit; Einfluss von Salzart, Konzentration und Temperatur. hamburg.de
  3. Mettler Toledo: Leitfaden für Online-Leitfähigkeitsmessungen, Theorie und Praxis; insbesondere Kalibrierung, Messung und TDS. Technische Literatur eines Messtechnikherstellers, bereitgestellt durch Prozesstechnik-Portal. prozesstechnik-portal.com
  4. Mettler Toledo: Seven2Go pro S7, Bedienungsanleitung, Abschnitte 6.2, 8 und 9. Technische Geräteinformation, bereitgestellt durch Carl Roth. carlroth.com
  5. RheinEnergie AG: Vollentsalztes Wasser; Hinweis zum Geltungsort der Qualitätsangaben und zu Kohlendioxid beim Abfüllen. Technische Anbieterinformation. rheinenergie.com
  6. Technische Universität Darmstadt, Demonstrations-Versuche Physik: Leitfähigkeit von Wasser mit Kochsalz und Zucker, Versuch E C 5 2. tu-darmstadt.de

Stand der Recherche: 27. Oktober 2026. Das angezeigte Beitragsdatum ist ein gewähltes Archivdatum; es bezeichnet nicht den Zeitpunkt dieser Recherche.

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